Abzocke an Schnellladesäulen?
Gängige Berechnung des Gleichstroms an Schnellladesäulen ist seit April Gesetzeswidrig
Eigentlich sollte es ja ganz einfach sein. Der Fahrer stellt sein E-Auto an einer öffentlichen Ladesäule ab, schließt das Fahrzeug mittels Ladekabel an die Säule an und bekommt somit seine Batterien wieder voll. Nach dem Ladevorgang bezahlt der Kunde das, was er an Strom für sein Auto bezogen hat.
Tut er das wirklich?
Was an öffentlichen Ladestationen an Kosten für den Strom berechnet wird, bezieht sich auf den Wechselstrom, der durch einen Zähler erfasst wird. Allerdings wird an Schnellladesäulen mit Gleichstrom geladen, da in dem Fall der kontinuierliche Stromfluss die schnelle Aufladung überhaupt erst möglich macht. Bei der Umwandlung von Wechselstrom auf Gleichstrom geht jedoch einiges an Energie verloren. Die Ungenauigkeit der Messung könnte dem Kunden zum Nachteil werden. Theoretisch dürfen bei einer Schnellladung nur 80 Prozent des bezogenen Stroms berechnet werden, doch wenn der Ladesäulenbetreiber den Preis pro Kilowattstunde so ansetzt, dass er den Verlust nicht tragen muss, zieht der Autofahrer den Kürzeren. Um wie viel Geld es dabei geht, weiß derzeit niemand. Experten trauen sich laut "Welt am Sonntag" nicht einmal eine grobe Schätzung zu.
Ein Zähler für Gleichstrom muss her
Laut Gesetz müssen Betreiber von öffentlichen Ladestationen seit April 2019 eine geeichte Vorrichtung zum exakten Erfassen des Stroms auf die Kilowattstunde genau in ihren Anlagen verbaut haben. Da die Technologie jedoch noch keine erschwingliche Lösung hervorgebracht hat, um die Gleichstrommessung an öffentlichen Schnellladesäulen zu realisieren, bleiben diese Säulen vorerst gesetzeswidrig. „Eine genaue Messbarkeit ist nicht gegeben.“, so ein Ionity Sprecher. Dies gilt für alle Betreiber. Jedoch werden die Ladesäulen bis zu einer Nachrüstung, die vermutlich erst in einigen Jahren möglich sein wird, von den Landesbehörden geduldet.
Der Direktor des bayrischen Landesamtes für Maß und Gewicht, Thomas Weberpals, kommentierte die Situation in der „Welt am Sonntag“ mit den Worten „Wir sind der Meinung, dass die Elektromobilität gefördert werden muss, das wollen wir nicht mit dem Eichrecht behindern.“
Ist bei der Elektromobilität jetzt also eine technologische Grenze erreicht, bei der der Verbraucher draufzahlen muss, damit es trotzdem weitergehen kann?
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Comments (3)
Wäre mal interessant wie viel das pro Ladung ausmacht. Wüsste auch ehrlich gesagt nicht was es überhaupt kostet.
Aber fakt für mich ist: Es ist nicht sauber gelöst und Betrug...
Ein kleiner Programmierer oder eine Firma hätte wahrscheinlich eine Klage wegen Schadensersatz hängen.
Es gibt ja teilweise auch noch Ladesäulen an denen man pro Ladezeit bezahlt... Das ist genau so undurchsichtig. Offensichtlicher und geduldeter Betrug.
Gesetzeswidrig weil ungenau: bei Schnellladestationen zahlt der Kunde drauf | @tribe