Brauchen Autos unbedingt ein Performance-Label, um interessant zu sein?

1w ago

4.1K

Es gab mal eine Zeit, da war ein Mercedes-Benz ein Statussymbol und eine S-Klasse nur etwas für die ganz wohlhabenden in der Gesellschaft. Doch diese Tage sind schon längst gezählt.

Heutzutage hat man das Gefühl, dass die Standard-C-Klasse ungefähr so spannend ist wie ein Fiat Cinquecento, solange sie nicht mindestens ein C43 AMG ist. Und selbst dann werden direkt Stimmen laut, die motzen, dass ein C43 ja gar kein "echter" AMG ist, weil der Motor nicht die Signatur einer einzelnen Person trägt. Außerdem ist ja alles mit weniger als 400 PS sowieso nicht der Rede wert. Ist da nicht irgendwas faul?

Zunächst müssen wir uns anschauen, wie es überhaupt zu dem Konsumwahnsinn teurer Sportwagen kommen konnte. Vor 25 Jahren hatte man entweder das Geld, sich ein teures Auto zu kaufen oder man hat einen Kredit aufnehmen können, um sich seinen großen Traum zu erfüllen. Wobei man erwähnen muss, dass die Zinssätze damals bei weitem nicht so attraktiv waren wie heute. Ziel war es jedenfalls, das Auto letztendlich zu BESITZEN. Heute ist das anders. Viele Leasing-Konzepte bis hin zu all-inclusive-Paketen, bei denen man sich nicht mal um die Versicherung selbst kümmern muss, erleichtern den "Besitz" teurer Fahrzeuge.

Dass diese Varianten über lange Sicht oft deutlich teurer sind als ein klassischer (Niedrigzins-)Kredit, rückt dabei völlig in den Hintergrund. Besonders junge Menschen, die sich sonst nie einen Mercedes C63 oder BMW M3 leisten könnten, setzen auf die neuen Finanzierungsarten.

Das klingt zwar zunächst richtig gut, doch es bringt neue Probleme mit sich. Klar, man kann durch den Besitz eines (normalen) Autos nicht wirklich Kapital anhäufen, aber private Leasingangebote verbrennen im Regelfall noch deutlich mehr Geld als die konventionelle Anschaffung eines Wagens.

Jetzt, wo mehr Leute Zugang zu teuren Sportwagen haben, wird der Markt mit ihnen förmlich überschwemmt. Das macht sie zwar auf dem Gebrauchtwagenmarkt auch erschwinglicher, aber es schafft gleichzeitig die Nachfrage nach noch exklusiveren Autos. Denn "einen Mercedes zu fahren bedeutet doch überhaupt nichts mehr, wenn es nicht gerade ein AMG ist."

Die Autohersteller haben diesen Trend natürlich erkannt und entsprechend reagiert. Darum kleben sie ihre Performance-Label jetzt einfach an jedes Auto (egal ob sportlich oder nicht). Vom BMW 114d mit M-Paket bis zur AMG-Line V-Klasse. Verkauft sich besser, aber spült das nicht auch die "Motorsportmarken" weich?

Und selbst die tatsächlichen "Sportler" nehmen die merkwürdigsten Formen an: GLA 45 AMG, echt jetzt? Vielleicht müsste ich so ein Ding mal fahren und vielleicht würde ich es sogar mögen, aber das Konzept des Motorsport-Crossovers macht irgendwie gar keinen Sinn. Und wenn wir mal als Beispiel bei Mercedes bleiben: Warum gibt es denn so viele verschiedene AMG-Level (A35, A45, C43, C63, C63S)? Weil sich Dinge mit dem AMG-Logo einfach besser verkaufen als ohne.

Versteht mich nicht falsch, ich bin ein großer Fan von sportlichen Autos, aber ich möchte auch, dass AMG und dergleichen für mehr stehen als gesteigerten Verkaufserfolg. Hätte ich meinen M140i auch ohne das M gekauft? Na klar! Ist es ein "echter M"? Nein. Und ist es trotzdem ein gutes Auto? Oh ja!

Was sagt ihr dazu? HIER GEHT'S ZUR UMFRAGE!

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Comments (4)
  • Ein ganz toller Bericht und wirklich schön um eine Diskussion anzuregen!! Ich stimme dir voll zu ein 140i braucht meiner Meinung nach kein M Emblem warum auch wenn man das will soll man ihn halt mit M Paket kaufen aber warum sollte man das nicht auch M ohne haben dürfen? Ein M5 e34 war damals und heute immernoch ein wirklich schneller Wagen. Was hat er gehabt um das zu zeigen? Wie viele M Embleme hat man auf dem Wagen gefunden? Ich glaube vier waren es eines im kühlergrill eines auf dem Heck eines auf dem schaltknauf und eines auf dem Motor. Wobei man die außen sogar optional entfernen lassen konnte. Das Auto begeisterte durch seine Fahrleistungen und Verarbeitung nicht durch das 100erste M emblem und um jeden zu zeigen schaut mich an ich bin stark und kann was. Von außen sah der M5 Damals kaum anders aus als jeder normale 5er BMW.

    13 days ago
    1 Bump
    • Danke dir, Felix!

      Ja, du hast vollkommen Recht. Beim 100. Emblem kommt dann schon von ganz allein der Gedanke "große Klappe, nichts dahinter". Es spricht ja nichts gegen...

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      13 days ago
      1 Bump
    • Wo wir gerade schon bei dem Beispiel M140i sind, wieder eine Sache, wo BMW es früher anders gemacht hat. Ich erinnere mich an die erste Generation des 1er, es gab zwar das M...

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      12 days ago

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